Rees, 29. November 2019 – Rede von Bodo Wißen, stellv. Vorsitzender SPD Kreis Kleve und Bürgermeisterkandidat für Rees bei der Demonstration von Rees for future am 29. November 2019, ab 11 Uhr, vor dem Rathaus Rees

Sehr geehrte Frau Schwartz, sehr geehrte Frau Scholaja, sehr geehrte Frau Sherwood, sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Bodo Wißen. Ich bin Bürgermeisterkandidat für Rees und Vize-Vorsitzender der SPD Kreis Kleve. Ich bedanke mich herzlich für die Einladung zur heutigen Demonstration von „Rees for future“.

Ich spreche diesen Dank auch im Namen meiner Kinder aus, für deren Zukunft Sie sich einsetzen. Meine Kinder sind sieben und sechs Jahre alt und beschäftigen sich auch sehr mit dem Thema Klimaschutz. 

Greta Thunberg, deren Botschaft Sie hier vor Ort weitertragen, hat den Klimaschutz ins Bewusstsein aller gerückt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Natürlich ist die Diskussion schon älter. 

Willy Brandt, der SPD-Vorsitzende und Bundeskanzler war, hat 1961 gefordert, dass der Himmel über der Ruhr wieder blau werden müsse. Viele haben über seine Aussage gelacht, fühlten sich verschaukelt, weil sie doch nur den grauen düsteren  Himmel über dem Ruhrgebiet kannten. Die frisch gewaschene Wäsche konnte man zum Trocknen nicht raushängen, die wäre sofort vom Ruß dreckig geworden. Und da sprach dieser Willy Brandt vom blauen Himmel über der Ruhr! Verrückt, durchgeknallt, dieser Willly! Das haben viele damals nicht verstanden. Es kam ihnen wie Hohn vor, als wolle Willy Brandt sich lustig machen. 

So ist es auch mit Greta Thunberg. Die verstehen auch viele nicht. Ähnlich wie Willy Brandt hat sie viele Freunde, aber auch viele Feinde. 

Für viele, auch in meinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis, geht das alles zu schnell mit dem Klimaschutz. Es gibt so viel Widersprüchliches: Gestern noch wurden sie sogar steuerlich dafür belohnt, wenn sie ein Diesel-Auto gekauft haben. Heute dürfen sie damit nicht mehr in die Innenstädte fahren. Das ist zum Beispiel für kleinere Handwerksunternehmer schwierig, wie mir letztens einer erzählte. Die haben nicht das Geld, mal eben einen neuen Benziner zu kaufen. Diesel mag beim CO2-Ausstoß schlecht sein, aber sind denn die Abgase und Verbräuche vom Benziner so viel besser? Als jemand, der auch ein Hybridauto mit Elektro- und Benzinmotor fährt, weiß ich doch, dass auch die Abbaumethoden für die Rohstoffe, die in meiner Auto-Batterie stecken, vermutlich nicht so abgebaut wurden, wie ich es gerne hätte. Das gilt übrigens genau so für mein und Euer Smartphone. 

Einige fragen auch, warum es jetzt auf einmal schlecht sein soll, zu fliegen. Früher konnten sich nur Reiche das Fliegen leisten. Da raunte man noch in der Grundschulklasse der 1980er-Jahre, der- oder diejenige sei mit dem Flugzeug nach Mallorca geflogen. Das war etwas ganz Besonderes. Heute fliegen fast alle. Was bitte soll daran schlecht sein?, so fragen viele. Ist das nicht sogar Fortschritt oder Demokratisierung? Dinge, die früher nur wenige hatten, können sich auf einmal ganz viele leisten. Davon wieder abzukommen, ist ganz schwierig. 

Stahl- und Aluminiumwerke brauchen oft so viel Energie wie eine ganze Stadt. Die Stahlarbeiter, die dort arbeiten, haben Angst, dass sie möglicherweise ihren Job verlieren, weil die Werke, in denen sie arbeiten, zu viel CO2 ausstoßen. Sie fühlen sich schlecht, weil sie auf einmal einen Stempel aufgedrückt bekommen. Früher war man hoch angesehen, wenn man in NRW Kohle abgebaut oder Stahl hergestellt hat. Die haben unser Land aufgebaut! Sie fühlen sich ungerecht behandelt.

Ich finde, Greta Thunberg und der Stahlarbeiter haben beide recht! 

Wir müssen einen Weg finden, wie der Klimaschutz gelingen kann. Er kann nur gelingen, wenn er von möglichst vielen mitgetragen wird. 

Es hilft ja nichts, wenn ein paar Super-Entschlossene kein Fleisch mehr essen, nicht mehr fliegen, aufs Auto verzichten und zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln. 

Und der große Rest? 

Es wurde im letzten Jahr so viel geflogen wie noch nie. Der Verkauf von so genannten Sport Utility Vans (SUVs) war so hoch wie noch nie, die Wechselquote zu Ökostromanbietern ist nach wie vor gering. Kreuzfahrtschiffe erleben nach wie vor einen Run. Ob Venedig absäuft oder nicht, interessiert die erst, wenn nicht mal die Spitze vom Campanile am Markusplatz zu sehen sein wird. 

Es mag bei vielen ein schlechtes Gewissen geben, immerhin, das führt aber bisher nicht zur Verhaltensänderung.

Leider gibt es noch unheimlich viel zu tun für uns alle. 

Wir haben jetzt ein Klimaschutzgesetz auf Bundesebene. Das hat die Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD durchgesetzt. Erstmals in der Geschichte, müssen alle Ministerinnen und Minister Klimaziele einhalten. Sie müssen erklären, bis wann Sie in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich welche CO2-Einsparungen mit welchen Maßnahmen erreichen wollen. Sollten sie ihre Ziele nicht erreichen, müssen die betroffenen Ministerinnen und Minister darlegen, wie sie die Ziele künftig erreichen wollen. „Alle Ministerinnen und Minister sind jetzt Klimaministerin und Klimaminister“, sagt Svenja Schulze. Das ist mehr, als wir je in einer Koalition mit den Grünen erreicht haben. 

Es gibt ein milliardenschweres Investitionsprogramm für die Bahn. Wir können ja froh sein, dass viele Menschen auf Busse und Bahnen umsteigen. Ich pendele auch mindestens drei Mal in der Woche mit dem Zug zwischen Düsseldorf und Haldern. Hinzu kommen viele Dienstreisen mit der Bahn. Ein Vergnügen ist das nicht! Das muss und das kann besser werden! 

Wenn ich mich erinnere, dass wir eine große Debatte im zuständigen Ausschuss der Stadt Rees darüber hatten, warum es nicht gelingt, einen Pendelbus zwischen dem Bahn-Haltepunkt Empel und der Innenstadt von Rees hinzubekommen, verzweifle ich. Immerhin gibt es dank der Reeser SPD jetzt eine Anrufmöglichkeit für ein Taxi, das einen von Empel nach Rees bringen soll – im Probebetrieb.

Vor Jahrzehnten hatten Reeser Bürgerinnen und Bürger zusammen mit SPD-Ratsleuten angeregt, auf allen städtischen Gebäuden Solarpanel zu installieren. Damals war die Einspeisevergütung für Öko-Strom viel höher als heute. Wir hätten viel Geld für den städtischen Haushalt einnehmen und die Umwelt entlasten können. Leider wurde das abgeblockt. Wir hatten keine Mehrheit im Rat. 

Da war die Gemeinde Saerbeck schon schlauer, die produziert schon lange mehr Strom mit Erneuerbaren, als die Einwohnerinnern und Einwohner brauchen. Daran sollten wir in Rees uns ein Beispiel nehmen!

Die Reeser SPD hat die Einführung von Car-Sharing vorgeschlagen. Die meisten Autos stehen dreiundzwanzig von vierundzwanzig Stunden herum. Gerade weil wir wissen, dass wir nie ein so dichtes Angebot an Bussen und Bahnen wie in größeren Städten bieten können, wäre das eine wichtige Alternative zum eigenen Auto. Als Familie haben wir drei Jahre lang Carsharing in Brüssel genutzt. Städte und Gemeinden im Kreis Kleve wollen das jetzt auch einführen. Emmerich, Kalkar und Bedburg-Hau wollen Car-Sharing. Ich will das auch für Rees! Vielleicht können wir auch Nachbarschaftsautos fördern. Vielleicht können wir Mietmodelle für E-Bikes und E-Roller hinbekommen. Angeblich will die neue Generation, also Ihr, ja nicht mehr Besitzen, sondern nur noch Nutzen. Wenn das stimmt, dann sollten wir das auch in Rees anbieten. 

Ihr von Rees for future habt vorgeschlagen, auf ein Feuerwerk in Rees zu verzichten und es statt dessen mit einer Lasershow zu probieren. Leider hat die Reeser CDU, die noch die Mehrheit im Rat stellt, das abgelehnt. Schade! Ich wäre zumindest dafür gewesen, es mal ein Jahr lang zu versuchen.

Ich finde auch gut, dass ihr Euch für die Bienen und sonstigen Insekten stark macht. Da gab es einen entsprechenden Bürgerantrag. Jetzt gibt es eine Bienenwiese an der Schule. 

Wie Ihr wisst, hat das EU-Parlament gestern den „Klima-Notstand“ ausgerufen. Ich halte das Wort „Notstand“ für falsch gewählt. In der Sache haben die Abgeordneten aber recht. Wir müssen etwas gegen den Klimawandel unternehmen. Jetzt! Klimawandel gelingt nur vor Ort und wenn alle mitmachen. Meinen Beitrag will ich dazu leisten. 

Ich wünsche Euch und uns viel Erfolg bei dieser wichtigen Arbeit, damit Rees eine Zukunft hat.  

Jule Schwartz von „Fridays for Rees“
Klimaschützer stellen klar: „Unser Haus brennt“
Fürs Klima eintreten – auch in Rees

#IhreStimmefürRees #BodoWissen