Verkehrspolitik neu denken: Lesung von Katja Diehl in der Haldern Pop Bar

Haldern, 7. März 2026 – Ein eindrucksvolles Plädoyer für eine andere Verkehrspolitik hielt gestern Abend in der Haldern Pop Bar Katja Diehl.


Sie las aus ihrem Buch „Autokorrektur“ vor. Der Titel des Buches ist Programm. Für mich als ehemaligen verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW und jetzigen Bürgermeisterkandidaten natürlich ein Pflichttermin.

Diehl wirbt vehement für eine andere Sichtweise auf den Autoverkehr. Sie führt vor Augen, wie sehr wir Menschen uns in Allem dem vierrädrigen Gefährt(en) unterordnen.

Direkt und indirekt würden wir mit Milliardensummen den Autoverkehr subventionieren. Er habe enormen Flächenbedarf, was zur Verdichtung beitrüge und der Umwelt schade. Statistisch über 100 Menschen würden trauern, wenn es zu einem tödlichen Verkehrsunfall komme. RadfahrerInnen und FußgängerInnen seien besonders gefährdet – gerade durch SUVs.

Katja Diehl nimmt die Rolle der aufmerksamen Beobachterin ein, die mal ganz grundsätzlich unser Verhältnis zur Blechkarosse hinterfragt.

Sie wirbt für die Nutzung von Bus und Bahn und fordert ein anderes Selbstverständnis bei der Verkehrsplanung. Diese müsse viel stärker die Belange von FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen berücksichtigen, fordert die Wahl-Hamburgerin.

Das heißt unser anderem: 30 km/h Höchstgeschwindigkeit innerorts, was die Überlebenschance von FußgängerInnen und RadfahrerInnen enorm erhöhe, viel mehr Platz für Rad- und Fußwege sowie ein Ende des Autobahnausbaus.

Vorbilder seien Paris, Barcelona und Kopenhagen. Für den ländlichen Raum riet sie zu „on-demand-Diensten“, also Bussen oder andere Fahrzeuge, die auf Anforderung fahren.

Man muss nicht alle Thesen von Katja Diehl teilen. Insbesondere habe ich in der Diskussion darauf hingewiesen, dass ein Verzicht auf einen fahrbaren Untersatz in ländlichen Gebieten nahezu unmöglich ist. Auch haben wir ja mittlerweile Mitfahrbänke und sogar einen Bus-Stundentakt von Rees nach Kleve. Beides wird allerdings (noch) nicht richtig angenommen. Leider ist auch das E-Car-Sharing mit einem Auto der Stadtverwaltung, das nach Feierabend und am Wochenende genutzt werden konnte, nicht angenommen worden. Dennoch gibt Katja Diehl wichtige verkehrspolitische Impulse und regt zum Nachdenken an.

Ein sehr interessanter Abend – nicht nur für Verkehtspolitiker!

Fotos: Bodo Wißen