Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Rees, Bodo Wißen, zur Eröffnung der Ausstellung „Das Wesen der Bäume“ von David Hawkins am Sonntag, 3. März 2024 im städtischen Koenraad Bosmann-Museum in Rees.
A very warm welcome Mr. Hawkins, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste hier im städtischen Koenraad Bosman-Museum in Rees!
Es ist mir eine Freude heute mit Ihnen zusammen die Ausstellung „Das Wesen der Bäume“ von David Hawkins zu eröffnen.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, meine Damen und Herren: Gerade nach vielen grauen Tagen mit noch mehr Regen tun mir die farbenfrohen Bilder von David Hawkins richtig gut!
Aber natürlich hat der Regen auch was Gutes, schließlich versorgt er unter anderem die Bäume mit Wasser. Also nicht über den Regen klagen – ohne Wasser keine Bäume.
Und um die geht es heute ganz besonders.
Den Deutschen wird im Allgemeinen ein sehr enges Verhältnis zu Bäumen und Wäldern nachgesagt. Unsere Vorfahren haben sie angebetet. Ein Grund, warum die Römer nicht dauerhaft rechtsrheinisch siedelten, soll mit den dichten Wäldern und den damit verbundenen Attacken der „Barbaren“ zu tun gehabt haben. Das war ihnen alles zu unheimlich in den Wäldern Germaniens. Und 9 nach unserer Zeitrechnung wurde das auch brutalst möglich bestätigt. Nach der Schlacht im Teutoburger Wald stand für die Römer fest: hier bleiben wir nicht länger!
Auch die Gebrüder Grimm sind mit ihrer Sammlung von Volksmärchen sehr erfolgreich gewesen, was die Implementierung unseres Bildes vom Wald angeht. Die allermeisten konnten den leichten Schauder nachempfinden, den Hänsel und Gretel erlebt haben müssen, ehe sie im Wald auf ein – heute würde man sagen – Tiny House einer älteren Dame stießen. Und Rotkäppchen spazierte ja nun auch nicht die Fifth Avenue lang, sondern musste durch den Wald zur Oma.
Weitaus friedlicher begegnet uns der Wald in den Gemälden von Caspar David Friedrich, dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Der stellte gerne sakrale Gebäude in Symbiose mit Tannenwäldern dar. Das wurde ihm Übrigens von der Geistlichkeit angekreidet – um dieses Wortspiel mit weiteren berühmten Gemälden dieses Künstlers nicht vorbeiziehen zu lassen.
Immer wieder wurden und werden Bäume politisiert. Da umarmt ein bayerischer Ministerpräsident einen Baum – würde er heutzutage wohl nicht mehr tun; da wird der größte Polizeieinsatz in der Geschichte unseres Bundeslandes ausgelöst, weil Demonstranten den Hambacher Forst retten wollen. Keine Frage: Der Baum symbolisiert neben Lebenskraft auch Widerstandskraft. Richtig ist: Ohne Bäume keine Zukunft auf unserem Planeten. Wenn wir den Regenwald nicht hätten, ginge uns im wahrsten Sinne die Luft aus.
Auch vor Ort, hier in der eher mit wenigen Bäumen gesegneten Stadt Rees, soll ein Bürgerwald entstehen und es werden Geburtenbäume verteilt. Beim Bau des dritten Gleises der Betuwe-Linie und des Amprion-Stromkabels wird die wohl unvermeidliche Baumfällung bedauert und auf die Wirksamkeit von Ausgleichsmaßnahmen gehofft.
Also, es scheint eine besondere Symbiose zwischen Baum und Mensch zu geben. Aber vielleicht wäre statt Symbiose das Wort Brücke besser gewählt. Schließlich hat unser Stargast des heutigen Tages zunächst Brücken gemalt, ehe er zu den Bäumen gefunden hat.
Ich kann mir gut vorstellen, dass er nun eine Brücke zwischen den Menschen und den Bäumen bauen will, sich also durch seine Malerei als Brückenbauer zwischen Mensch und Bäumen versteht.
Die künstlerische Einordnung des Werkes von David Hawkins wird Michaela Hagen gleich vornehmen.
Clara Busemann danke ich für die musikalische Begleitung. Kaum ein Instrument könnte besser den Wind in den Bäumen widerspiegeln als eine Harfe.
Ihnen allen wünsche ich viel Freude beim Betrachten der Ausstellung und einen schönen Sonntag.
Foto: Stadt Rees

